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Putin außer Rand und Band und Merkel auf der Flucht

Es geht hoch her in der Ukraine, in Kiew wird eine Regierungsbildung versucht, die ohne Vermummung und Kalaschnikovs auskommt, das Krim-Parlament wird besetzt und russische Jets sollen die Übergangsregierung unter Arseni Jazenjuk (39) von der Vaterlandspartei einschüchtern. Die aus der Haft entlassene Oligarchin Julia Timoschenko (53) wird neue Ministerpräsidentin und Präsidentschaftskandidat Vitali Klitschko (42) warnt Putin davor, dem „blutigen Diktator“ Janukowitsch aufzunehmen.

 Putin hat natürlich ein ureigenes Interesse daran, dass die Ukraine im russischen Einflußbereich verbleibt, schließlich liegt in Sewastopol auf der Krim die Schwarzmeerflotte, begleitet von 20.000 russischen Soldaten. Die Krim war Teil der Russischen Sowjetrepublik, bis sie 1954 der Ukraine zugeschlagen wurde, ausgerechnet von Kreml-Chef Nikita Chruschtschow, einem gebürtigen Ukrainer. Das ist inzwischen 60 Jahre her, aber dass die Krim von Kiew aus regiert wird und nicht aus Moskau, hält etwa Stanislaw Goworuchin für eine historische Ungerechtigkeit. Goworuchin (77), ist Abgeordneter und Regisseur, 2012 hat er als Wahlkampfchef Wladimir Putins Rückkehr in den Kreml orchestriert.

 Die Ukraine hätte sich nach dem Zerfall des roten Imperiums als wahre Schwester Russlands beweisen „und eine Möglichkeit finden sollen, Russland die Krim wiederzugeben“, hat Goworuchin einmal gesagt. „Dann würden wir der Ukraine unser letztes Hemd geben. Niemand würde jemals mit ihr über Gaspreise verhandeln.“ Jetzt wittern Separatisten auf der russisch dominiertern Krim ihre Chance, sich von Kiew abzuspalten: „Eine solch gute Gelegenheit gab es noch nie“, sagt Tatjana Jermakow, Chefin der russischen Gemeinde in Sewastopol. Sie hat sich schon an Russlands Präsidenten Putin gewandt, mit der Bitte um Beistand gegen die Revolution und „die Zerstörung der russischen Welt“, wie sie es sieht. Das Parlament der halbautonomen Krim schreckte am Mittwoch noch davor zurück: „Die Frage einer Abspaltung stehe nicht zur Debatte“, verkündete der Sprecher.

Allerdings haben die ehemals von Stalin nach Zentralasien deportierten muslimischen Tartaren, von denen viele inzwischen auf die Krim zurückgekehrt sind, ihren Zorn auf Moskau nicht vergessen und sind gegen eine Angliederung der Krim an Russland. Ihr Anführer Refat Tschubarow kündigt „würdigen Widerstand“ an. Putin will jedoch keinesfalls dulden, dass die Krim russischem Einfluß entzogen wird. Deshalb die Muskelspiele an den Grenzen. Der „Hilferuf“ der russischen Gemeinde von Sewastopol, ein Muster, das aus der Vergangenheit der Sowjetunion bestens belegt ist – und Putin sieht sich offensichtlich als legitimer Nachfolger, er droht und rasselt mit dem Säbel.

Und wo ist eigentlich die Verteidigerin der westlichen Demokratien? Frau Doktor praktiziert lieber in Israel und Großbritannien, dem europäischen „Lieblingspatienten“, Hauptsache, erst mal weg. Fazit der Flucht: Man ist sich einig darin, dass man sich nicht einig ist. Zwischendurch mal schnell Telefonate mit Putin und Timoschenko mit guten Ratschlägen. Mutti ist besorgt um die „Stabilität der Ukraine“, sie fürchtet um den „Zusammenhalt des Landes“. Janukowitsch hatte sie noch mit „Sanktionen“ gedroht und mit der Einbeziehung „russischer Kontakte“, was immer das heißen sollte. Inzwischen haben ihre russischen Kontakte wohl geantwortet: der „lupenreine Demokrat“ schröder’scher Prägung Wladimir Wladimirowischt Putin hält die Lunte ans Pulverfass, denn er will die früheren Sowjetrepubliken wieder haben und zu einer „Eurasischen Union“ schmieden, und das wichtigste Land, das Putin in eine Art Satellitenrolle befördern will, ist dabei das Schwergewicht Ukraine mit seinen Bodenschätzen und seiner strategischen Lage.

Da kann die Merkel noch so laut lamentieren, dass Putins Russland den Annäherungsprozess etwa der Ukraine an die EU störe: „Die Länder entscheiden alleine. Ein Vetorecht Dritter kann es nicht geben.“ Sie erinnere daran, dass das Prinzip der Nichteinmischung in fremde Angelegenheiten Teil der auch von Moskau unterzeichneten OSZE-Charta sei. Sie habe Präsident Putin wiederholt versichert, dass stärkere Kontakte der EU zu Ländern wie der Ukraine, Moldau oder Georgien nicht gegen Russland gerichtet seien. Spätestens, wenn Putin den Gashahn zudreht, wird sie kalte Füße bekommen, unsere allseits geschätzte Kanzlerin. Vielleicht wirft sie ja endlich ihre Krücken weg: „Seht her, ich kann wieder gehen!“ Schließlich soll ER schon Lahme gehend und Blinde sehend gemacht haben. Jetzt wäre ein günstiger Zeitpunkt.
Autor: Peter Wassmann

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