euro-165852_1280

Das Jahr 2014 – im Auge des Sturms

Es ist ruhig zur Zeit. Viel zu ruhig, Es passiert: Nichts! Die Merkel-Regierung diskutiert immer noch über das Wahlprogramm und darüber, ob und man irgendetwas davon irgendwann umsetzen könnte, außer Geschenke zu verteilen. Das EU-Parlament und die Kommissare werden in Kürze neu gewählt und damit sind auch Entscheidungen auf europäischer Ebene unsicher geworden, denn niemand weiß, ob geschlossene Vereinbarungen auch nach der Europawahl noch gelten. Da sich jetzt alle Beteiligten perfekt gegenseitig blockieren, passiert gerade nichts. Das Schiff driftet.

So sind politische Nachrichten derzeit rar gesät, Entscheidungen verschoben. Merkel sagt gar nichts. Gabriel verprellt mit seinen Ankündigungen zur Energiewende Wirtschaft und Investoren, die Braunkohle wird mehr und mehr zur Hauptenergiequelle, weil die Kosten für die Erneuerbaren aus dem Ruder laufen. Die Folgen einer verfehlten Politik killt sämtliche Klimaziele, CO2-Zertifikate sind eben billiger als Investitionen zur Verringerung von Emissionen. Das treibt auch 2014 die EEG-Umlage in neue Höhen, weil Strom an der Börse immer billiger wird. Auf der Stromrechnung einer Familie werden dieses Jahr rund 100 Euro mehr stehen.

auxmoney.com - Kredit von Privat an Privat

Eine Mietpreisbremse, die den Namen nicht verdient und teure Wärmdedämm-Maßnahmen, die weit weniger Energie sparen als angekündigt (70% vs. realen 15%, wie jetzt zugegeben wurde), treiben die Mieten weiter in die Höhe. So wird man die Gentrifizierung der Innenstädte nicht verhindern können. Dazu kommen Leerstand und Luxussanierungen sowie Verkauf und Umwandlung von Sozialwohnungen – der Sozialstaat verabschiedet sich schleichend, aber konsequent; wir sind längst angekommen im neoliberalen Markt mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen.

Altersarmut, Pflegenotstand und Billiglöhne sind die Folgen davon. Die Unternehmen dürfen sich freuen über angeheuerte Arbeitskräfte aus dem Osten, Leiharbeiter und die Ausbeutung über Werksverträge per Lohndumping. Heuchlerisch „Arbeitnehmer-Freizügigkeit“ genannt, ich nenne es Freibrief zur Sklavenhaltung ohne die Gewährung verbriefter Rechte. Wer aufmuckt, muss gehen. Betriebsrat unerwünscht. Hinterher kann man ja mit dem Finger auf sie zeigen; „guck mal, die wollen ja gar nicht arbeiten, die wollen nur unser Sozialsystem ausnutzen!“ – Seehofer und seine Schergen von der CSU nehmen den Ball dankbar an. Hilft ungemein im Wahlkampf, die Angst der Bürger soll damit geschürt werden. Das Ergebnis solcher Politik kann man jetzt in der Schweiz bewundern: Einwanderungsstopp per Volksentscheid. Scheinheilige Empörung der Politiker in den Talk-Runden inlusive, selber treibt man die Bulgaren und Rumänen durchs Dorf. Es gäbe aber ein Lösung, ungewollt und ungeliebt, aber eine bessere gibt es nicht, und die heißt „flächendeckender Mindestlohn“.

Werbungwww.plus.de

Und dann wäre da noch die ungelöste Krise der EU. Schäuble bereitet bereits ein neues Griechenland-Paket mit weiteren 10 Mrd. € vor, die aber das Land auch nicht mehr retten werden. Bei 180% Staatsverschuldung hilft nur ein weiterer Schuldenschnitt nach 2010, der auch die privaten Anleger echtes Geld kosten wird., Insgesamt werden wohl 60 Mrd. € benötigt – wohlgemerkt, echtes Geld, keine Bürgschaften wie bisher. Dazu kommen noch weitere Kandidaten wie Italien und Frankreich, die ihre Probleme weiterhin nicht anpacken wollen, weil das die Wähler vergrätzt. Es ist wie überall, keiner will die ungeschminkte Wahrheit hören, und – sparen? – doch bitte bei den anderen!

Europas Banken sind weitaus schlechter aufgestellt, als die Verantwortlichen gerne behaupten. In Deutschland, Frankreich un Italien gibt es ähnliche Crash-Kandidaten, wie eine Studie ermittelt hat. Finanzkreise rechnen mit mindestens einer großen Banken-Pleite in den kommenden Monaten. Nach einer Analyse von Sascha Steffen, Professor an der European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin, fehlen deutschen, italienischen und französischen Banken rund 770 Milliarden Euro Eigenkapital, um bei Finanzkrisen zu bestehen.

Der Sturm über Europa, er ist noch da, wir befinden und nur im Zentrum, wo es (scheinbar) ruhig ist. Leider eine trügerische Sicherheit angesichts der Untätigkeit der Politiker, der ungebremsten Casino-Mentalität der Banken und der neoliberalen Konzern-Bosse, die nur die Gewinnmaximierung im Auge haben. Die boomende Wirtschaft (in Deutschland) und munter sprudelnde Steuergelder, sind zwar gut und wichtig, aber sie überdecken nur die Probleme und die Krise schwelt verdeckt weiter. Spätestens in der nächsten Rezession werden wir die Rechnung dafür präsentiert bekommen, und die wird uns bestimmt nicht gefallen.

Die Spekulation auf Pump ist heute so populär wie nie. Wie aus Daten der New York Stock Exchange (NYSE) hervorgeht, haben sich Investoren deutlich mehr als 440 Milliarden Dollar geliehen, um Aktien auf Kredit zu kaufen. Das ist ein historischer Höchstwert, der sogar den Stand von vor der Finanzkrise 2008 übertrifft. Sobald die Börsen nervös werden, heiß es aufpassen und sein Geld in Sicherheit zu bringen – irgendwie; denn auf dem Konto gebunkert, egal, in welcher Anlageform, könnte es schneller weg sein, als einem lieb ist. Die Zeche zahlen wie immer die Dummen.
von Peter Wassmann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *