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Brot und Spiele

Ob Sotschi, Katar oder Rio: Sport als moderner Event ist längst dem Ideal der „körperlichen Ertüchtigung“ oder den Spielen der Antike „zur Ehren der Götter“ entwachsen. Es trifft sich nicht mehr die „Jugend der Welt“ zum friedlichen Wettstreit, sondern bezahlte Profis, die, auch mit unlauteren Mitteln, um Prämien, Medaillen und Siege kämpfen. Es wird gedopt, gespritzt, betrogen und gelogen, denn es zählt nur der Erfolg. The Winner takes it all. Ruhm und Ehre für den Sieger, Werbung für den Sponsor und Milliarden-Einnahmen für IOC, FIFA, UEFA und ihre Funktionäre.

 Denn der Sport ist längst Teil einer globalen Vermarktungskette und zum Big Business verkommen. Höher, schneller, weiter – wie, ist egal, denn es gilt, das Publikum und die Fans bei Laune zu halten. Natürlich nur die, die sich die immer luxuriöseren Events auch leisten können. Nur die haben Zutritt zu den klinisch sauberen Wettkampfstätten, der Rest darf am Fernsehschirm mitfiebern. Gleichzeitig wird das Umfeld gesäubert und gereinigt, Störendes wird abgerissen und weggebaggert, Existenzen werden zerstört, denn nichts darf den guten Eindruck verwischen, den der Veranstalter auf die Touristen machen will. Hier ist alles ok. Amüsier Dich!

 Olympische Spiele – und andere sportliche globale Events – bieten eine gute Möglichkeit zur Selbstdarstellung der austragenden Länder und deren Repräsentanten, ob Demokrat oder Despot, spielt erst mal keine Rolle.Wer am meisten Geld in die Hand nimmt, hat die besten Chancen, den Zuschlag zu erhalten; ein Schelm, wer dabei an Korruption denkt. Die Entscheider verstecken sich jedenfalls allesamt hinter dem äußerst liberalen schweizerischen Vereinsrecht, müssen keinerlei Rechenschaft ablegen, Bilanzen veröffentlichen oder gar Herkunft und Verwendung der Gelder transparent machen. Das Schweizer Vereinsrecht befreit selbst Milliardenverbände weitgehend von der Steuerpflicht. Die Fifa erzielte letztes Jahr bei 1,06 Milliarden Dollar Umsatz einen Reingewinn von 196 Millionen Dollar – und dafür bezahlte sie 789.000 Dollar Steuern.

So wundert sich die Welt, wenn der Fußball in die Wüste von Katar geschickt wird oder die Winterspiele zum persönlichen Denkmal des Oligarchen Putin werden. Schließlich durften sich auch schon kommunistische Massenmörder so der Weltöffentlichkeit präsentieren.

 Natürlich lassen sich Sport und Politik nicht voneinander trennen, den auch der Sport, besser gesagt, das sportliche Großevent, findet nun mal in der – auch manchmal grausamen – Wirklichkeit statt. Im Vordergrund stehen eben massive wirtschaftliche Interessen, denn es geht um viel, um sehr viel Geld. Die Vermarkter verdienen bestens an der Vergabe der Rechte, die TV-Sender steigern ihre Werbeeinnahmen und Einschaltquoten, die erfolgreichen Sportler erhöhen ihren Marktwert und die Agenturen und Sponsoren hoffen auf wachsende Umsätze. Somit hält sich berechtigte Kritik in Grenzen oder erschöpft sich in symbolischen Aktionen der Politiker: „ich fahr da nicht hin!“, tönen aber lauthals, dass man „Sport und Politik nicht vermischen“ sollte. Nicht Fisch und nicht Fleisch, aber so sind sie eben, unsere Politk-Darsteller. Sie nutzen derweil geschickt die Sportbegeisterung der Bürger aus, um unbequeme oder unpopuläre Entscheidungen klammheimlich durchzuwinken, wie jetzt wieder geschehen

  • Diätenerhöhung um 10% auf 9.000€
  • Genmais durchgewunken (Enthaltung heißt hier Volksverdummung auf Merkel-Niveau)
  • Korruptionsbekämpfung in die Ausschüsse verwiesen (auf Nimmerwiedersehn, das geht schon 9 (in Worten: neun) Jahre so)

Wir erinnern uns: 2012 während des Italien-Spiels wurde das umstrittene Meldegesetz  in 57 Sekunden beschlossen, anwesend waren nur sehr wenig Parlamentarier. Klar, die waren beim Spiel gucken. Oder 2006, als die Mehrwertsteuer mal eben um 3% angehoben wurde, Ein sehr teures „Sommermärchen“, oder?

 Die Verantwortung wird auf die Sportler abgewälzt. Um das mal klarzustellen: ich kann jeden verstehen, der nach jahrelanger Vorbereitung die vielleicht einmalige Chance wahrnehmen will, Olympiasieger werden zu können und damit einen Jugendtraum zu verwirklichen. Welcher junge Nachwuchssportler träumt denn nicht davon? Zumal Weltmeister wechseln, aber ein Olympiasieg bleibt für immer, jedenfalls, wenn er ehrlich erkämpft wurde. Das Problem haben die Funktionäre zu verantworten, die die Spiele jeweils an den vergeben, der den meisten Profit verspricht. Anstand und Moral? Ich bitte Sie, das sind doch Begriffe von gestern. Was zählt, ist einzig die Maximierung des Gewinns, und wir haben die Macht, das durchzusetzen. Basta.

 So werden die unschönen Begleiterscheinungen wie Ausbeutung der Arbeiter, Verdrängung der Armen, Zerstörung der Umwelt billigend in Kauf genommen. Es ist wie immer im Sport: es zählt nur das Ergebnis, und wehe, einer fragt, wie es zustandegekommen ist, oder gibt gar zu, unlautere Mittel verwendet zu haben. Wer glaubt schon einem betrügerischen Verräter. Welche Beweise hat er denn? Längst sind doch die Spuren verwischt und wurden flugs unter den Teppich gekehrt.

Was der Kaiser Beckenbauer sagt, ist die erleuchtete Wahrheit: Es gibt keine Sklaven, die in Ketten schuften müssen, in Katar. Die laufen alle frei herum! Man darf also ganz entspannt davon ausgehen, dass dass auch in Sotschi alles zum Besten steht. Wenn nicht, schicken wir einfach den Kaiser hin. Die Welt kann so einfach sein.

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von Peter Wassmann

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