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Mikroplastik verseucht Lebensmittel

Bislang stand vor allen Dingen der Plastikmüll in den Meeren im Vordergrund des Interesses von Forschern und Umweltschützern. Im Nordatlantik und im Nordpazifik treiben riesige Müllteppiche, drei Viertel des Treibguts, das in Europa an den Strand geschwemmt wird, bestehen bereits heute aus Plastik. Verschiedenen Schätzungen zufolge gelangen zwischen sechs und 26 Millionen Tonnen Kunststoffteile pro Jahr in die Weltmeere. Sie stellen eine tödliche Gefahr für Meerestiere dar.

 Vögel, Fische, Schildkröten, Robben und Wale fressen Plastikteile oder strangulieren sich mit abgerissenen Leinen, Netzteilen oder Verpackungen. Im Magen eines Pottwal-Kadavers fand man

  •  30 Quadratmeter Plastikplane,
  • 4,5 Meter Schlauch,
  • neun Meter Kunststoffleine,
  • Mulchfolie und
  • zwei Blumentöpfe.

 Der Wal starb – so das veröffentlichte Ergebnis der Obduktion -, weil er 18 Kilo Kunststoffteile verschlungen hatte. Neue Forschungsergebnisse legen jedoch nahe, dass durch Sonne, Wind und Wellen zerriebenes, mikroskopisch kleines Plastik in die Nahrungskette gelangt. Einst achtlos weggeworfen, kann der tückische Abfall so seinen Weg zurück zum Menschen finden. Inzwischen sind manche Fischarten bereits „nicht mehr zum Verzehr geeignet“!

Winzige Bruchstücke, sogenanntes Mikroplastik, interessieren Forscher derzeit besonders. Als Mikroplastik zählen Teilchen mit weniger als fünf Millimeter Durchmesser. Die meisten sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Sind die Partikel fein genug, werden sie auch von Zooplankton gefressen, jenen Kleintieren, die Fischen und Walen als Nahrung dienen. „Auch die Speiballen von Möwen enthalten in großen Mengen Mikroplastik“, so Gerd Liebezeit vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres an der Universität Oldenburg. Selbst im Kot von Seehunden, Kegelrobben und Schweinswalen wurden die Teilchen bereits nachgewiesen.

Längst ist das Problem nicht mehr nur auf die Weltmeere beschränkt, denn die mikroskopisch kleinen Plastikteile gelangen über die Luft und die Abwässer in die Umwelt und damit auch in die menschliche Nahrungskette. Honig und Trinkwasser sind teilweise durch mikroskopisch kleine Plastikkugeln verunreinigt, selbst in der Milch wurden sie nachgewiesen. Es besteht der begründete Verdacht, dass diese aus Kosmetika und anderen Pflegeprodukten stammen können, denen Mikroplastikkügelchen zugesetzt wurden. Das haben Recherchen des Wirtschafts- und Verbrauchermagazins „Markt“ im NDR Fernsehen ergeben.

Die zumeist aus Polyethylen hergestellten Mikroplastik-Teilchen sollen den Produkten zu einem mechanischen Reinigungseffekt verhelfen. Bei manchen Produkten beträgt der Anteil der Plastikkügelchen am Gesamtinhalt bis zu zehn Prozent. Sie werden als Füllstoffe und Bindemittel in Kosmetika verwendet, zum anderen als Schleifmittel in Zahnpasten und Peelings. Vereinzelt können diese Kunststoffe auch in Waschmitteln, Boden- und Kontaktlinsenreinigern zu finden sein. Aufgrund der geringen Größe passiert Mikroplastik wahrscheinlich ungehindert die Kläranlagen und gelangt auf diese Weise in Flüsse, Seen und Meere. Dort wird es dann von den Organismen mit der Nahrung aufgenommen, wobei auch Kleinstlebewesen betroffen sind. Plastik besitzt die Eigenschaft, Schadstoffe an der Oberfläche anzureichern, welche bei der Aufnahme im Margen-Darm-Trakt wieder freigesetzt werden können. Viele der Schadstoffe besitzen hormonähnliche Wirkungen, mit schwerwiegenden Folgen für den Organismus. Auch die Aufnahme in umliegende Gewebe ist bekannt. Infolgedessen kann sich das Mikroplastik mit seinen Schadstoffen in der Nahrungskette anreichern und bis auf unsere Teller gelangen.

Viele dieser Stoffe sind u. a. krebserregend, hochgiftig und hormonschä-digend

  • Weichmacher
  • Phthalate
  • Kohlenwasserstoffe
  • DDT
  • Bisphenol A

Eine umfangreiche Liste der Produkte, die Mikroplastik enthalten, hat der BUND kürzlich veröffentlicht, und es werden laufend neue entdeckt. Die Hersteller „versprechen“ auf Nachfrage meist, nach Ersatzstoffen Ausschau zu halten oder äußern sich gleich gar nicht. Es lohnt also, sich die Zutatenliste genau anzuschauen, denn dem fragwürdigen Nutzen von Plastikbeimischungen (wahrscheinlich ist es eh nur billiger Füllstoff) stehen eine ganze Menge an umweltschädigenden Auswirkungen gegenüber.

Die Politik ist gefragt, solch unsinnige und gefährliche Machenschaften zu verbieten und die Verbraucher vor den damit verbundenen Gefahren zu schützen. Schließlich hat die Vergangenheit gezeigt, dass die „freiwillige Selbstkontrolle“ der Unternehmen nichts bringt und auch der Verbraucher meist erst dann informiert wird, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. Es genügt eben nicht, Plastiktüten zu verbieten und dann zu meinen, das Problem sei damit gelöst. Der Plastikmüll ist längst im Wasser, in der Luft und in unserer Nahrung angekommen, fürs bloße Auge unsichtbar und damit umso gefährlicher.
von Peter Wassmann

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