Internet: Der „Digital Naive“ ist gefährlich

 

Nein, kein Schreibfehler sondern volle Absicht. Denn der durchschnittliche Nutzer von TK, Internet und Smartphone ist im Internet absolut sorglos unterwegs und meist völlig ahnungslos, was er da möglicherweise anrichten kann. Treuherzig und unbedarft nutzt er „Social Media“, gibt persönlichste Daten preis, oft hört man die dümmliche Ausrede: „ich habe doch nichts zu verbergen!“. Der heimische PC ist längst Teil eines internationalen Hacker-Bot-Netzes, weil die Sicherung des eigenen Computers vor Schadsoftware sträflich vernachlässigt wurde. Der Digital Naive sitzt davor und merkt natürlich nichts davon, außer, wenn es zu spät ist und das Geld vom Konto „verschwunden“ist oder horrende Handy-Rechnungen im Briefkasten liegen.

Bestes Beispiel: Mutti „Neuland“ Merkel. Eigentlich müßte man ihr das Handy sofort wegnehmen, weil sonst alle Dienste weltweit längst Bescheid darüber wissen, wohin sie gerade reist, welchen Arzt sie wann aufsucht oder was sie sonst so vorhat. Nett, wenn alle schon vor der Verhandlung wissen, welche Zugeständnisse man zu machen bereit ist. Heute hat sie verkündet, dass sie das auch nicht abstellen will. Ist das Altersstarrsinn oder schon beginnende Demenz? Unwissenheit schützt jedenfalls nicht vor den Konsequenzen und ein Doktor-Titel offensichtlich nicht vor einem unterdurchnittlichen IQ. Leicht wird man da zum Sicherheitsrisiko für den gesamten politischen Betrieb und schafft sich damit eine gute Gelegenheit, die Freiheit des Internets und die Bürgerrechte weiter einzuschränken. Vorwand: die Böse NSA ist schuld, nicht die eigene Blödheit.

Für den Digital Naive ist die moderne TK eine Spielwiese, auf der er mit virtuellen „Freunden“ völlig belanglose Bildchen und Shortcut-Nachrichten austauscht und über sein Profil seinen kompletten Lebenslauf veröffentlicht. Ein harmloses Spaßnetz sozusagen. Er denkt nicht darüber nach, daß niemand, der in Internet unterwegs ist, wissen kann, wer der sogenannte „Freund“ am anderen Ende in Wirklichkeit ist. Daß nicht nur harmlose Nutzer, sondern auch Kriminelle, Hacker, Geheimdienste und auch Arbeitgeber das Netz längst nutzen, um Informationen über alles und jeden abzugreifen und auch bereit sind, diese jederzeit gegen den treuherzigen Nutzer zu verwenden. Um es mal klar zu sagen: Datenschutz fängt zu Hause an und lässt sich nicht bequem auf den Staat abschieben, denn das Internet ist und bleibt ein weitgehend rechtsfreier Raum.

Schlimmer noch, es ist längst zum Kriegsschauplatz geworden, in dem sich Staaten im Cyber War bekriegen und gegenseitig mit Terror überziehen. Die USA wähnen sich im Internetkrieg – und behalten sich vor, künftig mit konventionellen Mitteln auf Hacker-Angriffe zu reagieren. Setzt ein Land Viren, Würmer und Trojaner in Bewegung, riskiert es eine Vergeltung durch Kampfjets, Panzer und Bodentruppen. „Wer die Stromnetze unseres Landes sabotiert, muss mit Raketen im Schornstein rechnen“, sagte ein Pentagon-Sprecher dem „Wall Street Journal“. Der Cyberwar soll nicht länger nur virtuell geführt werden.

Die harmlose Spielwiese Internet gibt es längst nicht mehr und naiv-einfältiger Umgang damit verschärft die Lage noch. Ungeschützte Rechner sind eine Gefahr für alle, denn sie verbreiten blitzschnell Schadsoftware weltweit auch in Firmen, Behörden und möglicherweise in der systemrelevanten Infrastruktur wie Stromnetzen, Verkehrssteuerung, AKWs usw., selbst eigentlich harmlose Informationen können zum Bumerang werden. Wenn ich mir die neueste NSA-Debatte anhöre, muss ich feststellen, dass A. Merkel und 34 weitere Politiker, die abgehört wurden, ein echtes Sicherheitsrisiko für die EU darstellen mit ihrer sorglosen Handy-Diplomatie per SMS und eMail, denn es lesen nicht nur die USA, sondern Russland und China, sogar die Nachbarn Frankreich und insbesondere Großbritannien, schamlos mit (der BND übrigens auch).

Die Verbreitung der Cyberspionagkampagne „Roter Oktober“ begann beispielsweise über einen sogenannten Spear-Phishing-Angriff. Eine einzige E-Mail gerichtet an einen Mitarbeiter der anvisierten Organisation kann die Kampagne in Gang setzen, wenn etwa schadhafte Anhänge in der E-Mail Schwachstellen in verwendeter Standardsoftware ausnutzen. Die immer stärkere Vernetzung der Welt macht daher nicht nur Ministerien, Botschaften oder hochrangige Führungspersonen eines Landes zum Angriffsziel. Jeder Mitarbeiter eines Unternehmens mit Kontakt zu staatlichen Stellen oder Infrastruktureinrichtungen kann ein Türöffner sein. Als möglicher Angriffspunkt könnten also schon Angaben zum Arbeitgeber im Social Network dienen.

Wer hier fahrlässig handelt, bestärkt die Regierungen weltweit darin, über Argumente wie Terror und Cyber War den Datenschutz auszuhebeln und Bürgerrechte einzuschränken, den Schaden davon haben wir alle: Internetsperre, Vorratsdatenspeicherung und verschärfte Überwachung des Datenverkehrs. Abhöraktionen und Spionage werden sich vor dem Hintergrund des (angeblichen) Gefahren von Cyber-Attacken niemals ganz verhindern lassen, aber das an sich legitime Interesse eines Staates, sich dagegen zu wehren, darf nicht in den Überwachungsstaat münden.

In einer Analyse kommen zwei Politikwissenschaftler der George Mason University allerdings zu dem Schluss, dass öffentliche, nachprüfbare Informationen zu solchen Gefahren nicht vorliegen. Sie warnen deshalb vor einem Cyber-industriellen Komplex, von Unternehmen, die der Regierung maßgeschneiderte Software für den Cyberwar verkaufen und gleichzeitig den Bedarf danach kräftig ankurbeln. Ganz so, wie der militärisch-industrielle Komplex den Kalten Krieg befeuert hat. Das Fazit von Jerry Brito und Tate Watkins: Eine aufgeblasene Bedrohung könne die Regierung zu unnötigen Investitionen verleiten – und zu einer überzogenen Regulierung des Internets.

Es liegt also in Interesse jedes Einzelnen, mit der TK und dem Internet sorgsam umzugehen und sich über die damit verbundenen Gefahren klar zu werden. Ein funktionierender Virenschutz, eine gute Firewall und sichere Passwörter sind kein unnötiger Luxus, sondern unabdingbare Voraussetzung für die verantwortungsvolle Nutzung des globalen Netzes. Wer mit seinen persönlichen Daten sorgsam umgeht, muss sich auch weniger Gedanken um den Datenschutz machen, der aus o. a. Gründen sowieso nie 100% erreichen wird. Wer immer noch eMail-Anhänge von unbekannten Absendern öffnet, schadet nicht nur sich selbst, sondern bringt auch andere in Gefahr. Er kann froh sein, wenn das keine unerfreulichen Konsequenzen nach sich zieht.

Auch wer das Internet „nur“ als persönliche Spielwiese nutzt, sollte Bescheid wissen über die grundlegenden Regeln und deren Sinnhaftigkeit akzeptieren. Mehr Eigenverantwortung zu übernehmen ist wichtiger als der sofortige Ruf nach dem Staat, der alles „regeln“ soll. Es gilt, sich vom „Digital Naive“ zum „Digital Native“ zu entwickeln, je eher, desto besser! Das gilt umso mehr, falls man in sicherheitsrelevanten Bereichen tätig ist. Ein guter Anfang wäre es, Frau Merkel die dienstliche Nutzung des ungesicherten Handys und ihr verfassungsrechtlich genzwertiges Internet-TV zu verbieten.

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