Deutschlands Bürger wählen die Obrigkeit

Der erste Akt wurde in Bayern aufgeführt und hat der CDU und ihrem „Regenten“ Seehofer die Alleinherrschaft beschert. Anscheinend hält man dort viel vom starken Mann, der quasi mit einer Handbewegung die Spezlwirtschaft diverser Abgeordneter und ihrer mit Steuergeldern alimentierten „Bürogehilfen“ aus der eigenen Verwandtschaft hinweggefegt hat. Niemand störte sich dort offensichtlich an der Selbstbedienungsmentalität der Volksvertreter und anderer vom bayerischen Rechnungshof gerügten Praktiken im Umgang mit den Steuergeldern. Bayern geht es gut; zumindest denen, die auf der Sonnenseite des Lebens stehen.

 Wer nicht soviel Glück hatte, alt, krank oder schwach ist, bleibt außen vor. Seine „Stimme“ zählt im Freistaat wenig bis gar nicht. Egal, ob SPD, die Linke oder die Grünen, die Stimme des Wählers für „Gerechtigkeit“ in der Gesellschaft landet in der Bedeutungslosigkeit angesichts des Wählerwillens: „Weiter so, Bayern!“ und: „Mir san Mir!“. Mein Haus, mein Auto, mein Boot. Die Besitzstandswahrer wollen nicht über Solidarität nachdenken: „Sollen die doch arbeiten gehen!“, oder „Wer arbeiten will, findet auch welche!“ Zugegeben, schlechtes Deutsch, aber „bestes“ deutsches Gedankengut: Hauptsache, es tauchen dabei die Reizworte wie Sozialschmarotzer und Ausländer auf, das kommt immer gut.

 Man hat sein Gewissen ein bißchen besänftigt, indem die Hauptvertreter des neoliberalen Gedankengutes, die Parteigänger der Brüderles, Rösler und Westerwelles, abgestraft und aus dem Landtag entfernt wurden. Trotzdem darf davon ausgegangen werden, dass das den Politikstil nicht wesentlich verändern wird. Neu ist allenfalls die Pkw-Maut, die MP Seehofer mit Hilfe seines neuen Machtzuwachses auch gegen die Schwesterpartei und gegen den Willen Merkels durchsetzen kann und will. Das gefällt den Bayern, auch wenn der Hinterwäldler im tiefsten Bayrischen Wald wenig davon hat, ihm ist es wichtiger, das die Fördertöpfe für die Landwirtschaft auch weiterhin sprudeln, er aalt sich in seiner Subventions-Hängematte, braucht sich am Markt nicht durchzusetzen und lebt ziemlich gut von den regelmäßigen Zahlungen aus deutschen Steuergeldern.

Der zweite Akt wird in Hessen stattfinden, wo Rot-Grün gerade seine letzten Chancen verspielt, denn Steuererhöhungen, Pädophiliedebatte, ein „geläuterter“ Kanzlerkandidat in Berlin, dem niemand den Sinneswandel so recht abkauft, ein Trittin in Erklärungsnot und schwächelnde Umfrage-Ergebnisse im Bund, da ist der Vorsprung, den man mal hatte, inzwischen bereits aufgebraucht. Es wird wohl auch hier nicht zum Wechsel reichen, seit die Schwarz-Gelben den rot-rot-grünen Teufel an die Wand malen und vor ypsilantischen Verhältnissen warnen. Das alles verschreckt nur allzu leicht den deutschen Wähler und schürt die „German Angst“ vor Veränderungen jeglicher Art.

Im Bund gibt es dann am Sonntag den Finalen Akt mit einer verzweifelten FDP auf Zweitstimmenfang, was die CDU unter allen Umständen verhindern will. Mutti ist auf eine starke CDU erpicht, denn sie ist auf die FDP nicht angewiesen, ihr stehen ja mehrere Optionen offen: Schwarz-Gelb, Schwarz-Rot, auch Schwarz-Grün ist möglich, wichtig ist nur, dass man die stärkste Kraft im Land bleibt. Mutti kämpft für den Machterhalt, da kann man keine Rücksicht auf das Koalitionsanhängsel nehmen, das sich mit seiner Klientel-Politik schließlich selbst in die Bredouille gebracht hat. Mutti gefällt sich eben zu gut in ihrer selbstgewählten Rolle als Kanzlerschauspielerin. Rein rechnerisch ist in der derzeitigen Lage auch eine Alleinherrschaft der Union drin, wenn man die Zahlen von 2009 einmal objektiv betrachtet:

2009 2013
CDU 33,80% 40,00%
SPD 23,00% 25,00%
Linke 11,90% 8,00%
FDP 14,00% 5,00%
Grüne 10,70% 10,00%
Piraten ? 3,00%
AfD ? 3,00%

Derzeit steht die CDU in den Umfragen bei 40%, die SPD bei 25%, die Grünen bei 10% und die Linke bei 9%. Knackpunkt ist hier die FDP, bei 4-6% prognostiziert und damit knapp vor dem Scheitern. Was aber, wenn sie nicht mehr in den Bundestag kommt, Grüne, SPD und Linke weiter schwächeln? Wenn dann AfD und Piraten noch bei der Opposition abräumen? Wenn die Stimmen zur CDU wandern, wie jetzt in Bayern geschehen? Wenn auch im Bund die FDP rausfliegt, könnte 40+x% also für die Union reichen, aber noch haben wir die Wahl, ob wir eine Solo-Show von „Prinzessin“ Angela unter der Mitwirkung von „Kronprinz“ Seehofer als Steigbügelhalter für erstrebenswert erachten. Zum Wohle der Besitzstandswahrer und des konservativen Stillstandes. Glück auf!
von Peter Wassmann

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