Fernseh-Vollprogramme gehören nicht ins Netz

 Beim Netzausbau findet sich Deutschland international auf den letzten Plätzen, weil die TK-Konzerne lieber abkassieren und hohe Gewinne zur Pflege des Börsenkurses ausschütten wollen. Schließlich wollen sich die Manger auch in diesem Jahr ihre Bezüge wieder auffrischen, indem sie die Unternehmen ausnehmen. Für Investitionen bleibt da wenig übrig. Die dadurch beschränkte Bandbreite wird dann mit Werbung und TV vollgemüllt, zu 98% mit Botschaften und belanglosen Sendungen, die niemand braucht. Nur wer kräftig draufzahlt, darf dann noch unbeschränkt teilnehmen.

 Das WorldWideWeb soll zur Gelddruckmaschine für die großen Konzerne verkommen und nicht mehr vorrangig der Kommunikation der Nutzer untereinander zum Austausch von Informationen, Wissen und der Pflege private Kontakte und Interessen. Firmen können hier ihre Produkte und Dienstleistungen anbieten, die es uns ermöglichen, viele Dinge Online zu erledigen und uns damit das Leben bequemer zu gestalten, dagegen ist auch kaum etwas einzuwenden. Komisch wird das ganze aber, wenn sich IT-Konzerne wie Google, Youtube, Facebook und Konsorten lieber nicht am Netzausbau beteiligen, obwohl sie große Datenmengen über das Internet versenden und die ohnehin oft geringe Bandbreite über Gebühr belasten – schließlich streichen sie gerne die horrenden Gewinne ein, die sie mit der von uns allen über Gebühren finanzierten, in großen Teilen sogar von der Post geerbten, Infrastruktur machen.

 Ohne unsere Gebühren, Handys, Tablets, Computer und Programme, die wir von unserem Geld bezahlt haben, würde es das weltweite Internet in dieser Form gar nicht geben, denn die Nutzer sind schließlich die Adressaten der Datenströme, die sonst doch einfach nur in den Leitungen versickern würden. Wir müssen schließlich auch erst investieren, bevor wir überhaupt mal Zugriff auf das www erhalten. Wenn ich dann endlich „drin“ bin, wie es uns Boris so treffend ausgedrückt hat, will ich das Internet dazu verwenden, private und ggf. geschäftliche Dinge zu erledigen, Online einkaufen oder buchen, mit anderen Nutzern oder Geschäftspartnern Informationen auszutauschen oder mich einfach mal zu „unterhalten“, mir einen Film oder ein Spiel runterladen. Oder was mir sonst noch so einfallen mag.

 Was ich bestimmt nicht mache und auch nicht brauche, ist mir über das Internet komplette TV-Programme anzusehen. Schließlich gibt es dafür Kabelnetze, Satelliten und digitale Sender, dafür muß man nicht das Internet vollmüllen mit dem unsäglichen Sendeschrott deutscher TV-Anstalten. Seit die Telekom ihr Kabelnetz und die Sender abgeben musste, versucht sie verzweifelt, an der Vermarktung der TV-Programme über das Internet, in dem sie immer noch das Monopol besitzt, mitzuverdienen. Sie kann ihren „Entertain“-Kunden damit reichlich Programme für einen konkurrenzlosen Preis von 39,90 € anbieten (incl. Internet, Telefon und Flatrate), der angesichts der verwendeten Bandbreite eigentlich lächerlich ist. Dafür dürfen wir alle dann mehr bezahlen, weil wir in einem Monat mehr als „gigantische“ 75 GB Volumen verbraucht haben.

 Ursprünglich wollte uns die Drosselkom auf 384kb/s. setzen, jetzt dürfen es 2mb/s. sein, nachdem ein Proteststurm eingesetzt hat. Der unbedarfte User wischt sich jetzt – puh! – über die Stirn und meinst, die Katastrophe sei damit noch mal abgewendet. Natürlich waren die 384kb/s. nur ein „Versuchsballon“. Nachdem sich alle genug aufgeregt haben, bietet man uns jetzt 2mb/s. an und hofft, damit durchzukommen. Eine ganz perfide Masche, wohl bekannt aus der Politik, wo man einen Hinterbänkler oder sonst einen Deppen vorschickt, der dann seine wirren Thesen vortragen darf, nur dass hinterher alle sagen können, „so war das nicht gemeint“, und dann kommt es meist noch schlimmer.

 Man hat immer mehrere „Wahrheiten“ parat, zwischen denen man wahllos hin und her schalten kann, bis keiner mehr weiß, was eigentlich ursprünglich gemeint war. Der kritische Betrachter nennt so etwas Desinformation, eingesetzt von totalitären Staaten für Agitation und Propaganda. Manche Politiker sollen ja darin bestens geschult sein (ich will ja keine Namen nennen)! Die Telekom will also den von ihr selbst seit Jahren verschleppten Netzausbau dazu nutzen, um aus den veralteten Leitungen noch mehr Geld herauszupressen, eine interessante Argumentation. Motto: weniger Leistung, mehr Geld – ist doch logisch, oder? Natürlich sei Entertain was gaaanz anderes, es sei ja nicht Internet, sondern Fernsehen, das müsse man völlig getrennt sehen. Ab wann sollte man eigentlich erkennen, wenn man verarscht wird? Flatrates, die keine sind, höhere Gebühren für weniger Leistung, Querfinanzierung der TV-Ambitionen des Monopolisten? Es reicht!

 Nochmal: TV-Vollprogramme haben im Netz nichts zu suchen, solange der Betreiber sich nicht angemessen am Ausbau der Leitungen beteiligt, das gilt auch für „Golbal Player“ im IT-Markt. Es ist einfach unanständig, das Internet, das für uns alle heute zur normalen Lebensgestaltung gehört, profitgierigen Einzelinteressen zu opfern und die Nutzer als Geiseln zu nehmen, um auch noch den letzten Euro herauszupressen. Aus diesem Grunde wollen wir gehört werden und mitreden; wie der Staat und die Unternehmen mit dem Internet umgzugehen gedenken, geht uns alle an. Ohne uns seit ihr nichts und wir sind nicht eure Geiseln. Jedenfalls nicht, solange wir uns noch wehren können.
von Peter Wassmann

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