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Deutschlands Zukunftstechnologien am Ende

Die deutschen Unternehmen haben den Anschluß an die Global Player aus Asien und Amerika verloren. Selbst die bis dahin unangefochtene Führungsrolle der Automobil-industrie ist in Gefahr, seit Korea, Japan und Indien billigere und technisch immer besser werdende Autos bauen. Seit Jahren liefern sich die deutschen Hersteller der Mittel- und Oberklasse erbitterte Rabattschlachten am heimischen Markt, um ihre Absatzzahlen annähernd auf den angestrebten Niveau halten zu können. Als Reaktion auf Schutzzölle für Solarmodule droht China jetzt auch noch mit Strafzöllen für deutsche Automobile, deutsche Weine hat man sich schon mal vorgeknöpft.

 Dabei sind die Strafzölle eigentlich berechtigt, denn China unterstützt Zukunftstechnologie mit Milliarden von Euro an direkten und indirekten Subventionen, dazu gehören EE, IT und TK, Maschinenbau und Automobile. Ein großer Konzern kann sich schon einmal 30 Mrd. € an billigen staatlichen Krediten in die Kampfkasse stecken. Damit lassen sich dann die Preise so lange drücken, bis ausländische Wettbewerber entnervt aufgeben müssen, aufgekauft oder vom Markt gefegt werden. In Deutschland ist vom der hochgelobten Solartechnologie nur noch Solarworld übrig, und selbst für den geht’s ums nackte Überleben.

 Es ist einfach lachhaft, wie BDI und Bundesregierung den Schwanz einziehen, weil China mit fadenscheinigen Argumenten damit droht, Importe aus Deutschland ebenfalls abzustrafen und mit Zöllen zu belegen. Jetzt, nachdem der vorletzte Hersteller von Photovoltaik „Conergy“ Insolvenz angemeldet hat, erklärt sich China bereit, Exporte von Solarmodulen nach Deutschland ein bisschen zu „beschränken“, was für eine bodenlose Verarsche!

 Ich sag’s noch deutlicher: Für mich haben diese Leute längst ihr Gesicht verloren; wenn sie etwas sagen, ist es genau so als wenn nebenan ein Hund furzt. Natürlich wollte ein chinesischer Investor Conergy übernahmen, aber anscheinend waren ihnen die Konditionen nicht gut genug. Nicht viel besser ist die Rolle deutscher Banken – ein Konsortium um die Commerzbank (ausgerechnet!) – bei diesem Deal, denn sie haben nach monatelangen Verhandlungen das vorgelegte Zukunftskonzept abgeschmettert und damit das Unternehmen in den Konkurs getrieben, wie schon so viele andere zuvor.

 Auch der teure Ausstieg aus einem Vertrag mit den US-Waferhersteller MEMC hatte Conergy zusätzlich die Bilanz verhagelt sowie die schlechte Zahlungsmoral bei großen Aufträgen. Warum hat hier unsere Regierung wieder mal versagt, man hätte doch in diesem Fall Bürgschaften übernehmen müssen. Auch der einstige Primus Solarworld steht am Rande des Ruins, die Gläubiger wollen nächste Woche über einen Sanierungsplan abstimmen. Das war’s dann mit der deutschen Zukunftsbranche, eine Folge der verfehlten Politik der deutschen Bundesregierung um Merkel und Rösler, die erneuerbare Energien lieber bremsen als nachhaltig zu fördern. Zum Wohle der Großkraftwerke der Energieriesen.

In der Vergangenheit hat die Solarindustrie viel zu wenig auf Innovation gesetzt. Gefördert von Milliarden aus dem Steuertopf. Nun müsse der Wettbewerb gestärkt werden, unter anderem auch durch eine grundlegende Reformierung des Erneuerbare Energien-Gesetzes. Die Interessenvertreter aller Beteiligten wollten sich mit den Politikern an einen Tisch setzen, um über Maßnahmen gegen einen weiteren Stellenabbau zu beraten. Das FDP-geführte Bundeswirtschaftsministerium erteilt dieser Forderung nun aber eine klare Absage. Das geht aus der Antwort von Staatssekretär Stefan Kapferer auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten der Linken, Jan Korte, hervor.

Nach Einschätzung der Bundesregierung kann das Problem bestehender weltweiter Überkapazitäten nicht durch einen Solargipfel in Ostdeutschland gelöst werden“, heißt es darin.

Die deutschen Manager haben es offensichtlich nicht geschafft im hoch umkämpften Markt für erneuerbare Energien mitzuhalten. Einer der wesentlichen Gründe ist, dass vor allem das höhere Management den Übergang vom Subventionsempfänger zu einem durch Preise und Leistung definierten Markt, nicht geschafft hat. Hier ist aber nicht nur das Management schuld. Die Mitarbeiter bis ins mittlere Management haben mit der Devise “für uns wird es ja noch gut ausgehen” freiwillig und unfreiwillig jahrelang mitgemacht. Meist wissen die Mitarbeiter schon Jahre vor der Pleite, dass das Unternehmen langfristig scheitern muss. Protestiert wird allerdings erst, wenn die eigene Entlassung droht.

 Das Grundübel aber sind die unfähigen Politiker, die angeblich an Eigenverantwortung und den freien Markt glauben, aber mit ihrer falschen Subventionspolitik die Unternehmen so lange alimentieren, bis sie sich so weit von den Gesetzen des Marktes entfernt haben, dass sie sich dort nicht mehr behaupten können, sobald der Geldfluss ausbleibt. Man ruht sich so lange im bequem ausgepolsterten Nest aus, bis der Markt unbarmherzig zuschlägt. Man hat einfach nicht gelernt, sich auf eigene Füße zu stellen und mit innovativer Kraft dort durchzusetzen.

 Forschung und Entwicklung, früher die Triebfedern und die Stärke deutscher Unternehmen, bringen kurzfristig eben keinen Gewinn für die börsenabhängigen Manager, Erzeugnisse einer verfehlten Ausbildung durch wirklichkeitsfremde Professoren an unterfinanzierten Universitäten, deren Forschungsinstitute längst den Kontakt zur Wirtschaft verloren haben. Und auch die Unternehmen scheuen das Risiko, neue Produkte an den Markt zu bringen, solange sich die alten noch verkaufen lassen. Damit wird der Ausverkauf Deutschlands fortgesetzt, beschleunigt durch die neueste neoliberale Idee eines Freihandelsabkommens mit Amerika, um auch die letzten Hemmnisse für ausländische Konzerne zu schleifen.

 Wir werden uns wohl gewöhnen müssen an chinesische Bosse, amerikanische Manager, einen neoliberalen Markt, Gentechnik von Monsanto, wir werden unser Wasser von Nestlé kaufen und den Strom über das EEG teuer bezahlen. Irgendwann werden wir uns auch die teuren Schlitten von deutschen Herstellern nicht mehr leisten können, weil nur noch die wenigsten gut genug verdienen im „liberalisierten“ Arbeitsmarkt aus Billiglöhnen, Scheinselbstständigen und Freelancern. Schönes neues Deutschland!
von Peter Wassmann

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