RoundUp: Lebensmittel, Monsanto, Aigner und Glyphosat

RoundUp heißt eigentlich Razzia, und die wäre langsam mal nötig, wenn man mal das Thema etwas näher betrachtet. Glyphosat ist ein Wirkstoff, der in vielen Pestiziden, u. a. RoundUp von Monsanto, eingesetzt wird. Die gentechnisch veränderten Nutzpflanzen, die gegen das Pestizid unempfindlich gemacht wurden (RoundUp-Ready-Kulturen), sollen dadurch mehr Ertrag bringen. Die häufigsten transgenen Pflanzen sind

  • Mais
  • Raps
  • Tomaten
  • Soja und
  • Kartoffeln.

Der Anbau einer dieser Sorten, MON810, wurde bereits vor Jahren in einigen Staaten der EU für den großflächigen Einsatz verboten, es wurden nur einige Versuchsanbauten für die Forschung genehmigt. In den USA und Argenitinien beträgt der Anteil von RoundUp-Ready-Soja 91% bzw. 100%, allein in Argentinien wurden pro Hektar Land ca. 10 Liter Glyphosat versprüht, u. a. auch beim Tabakanbau. Tendenz: steigend, denn das Unkraut entwickelt Resistenzen gegen den Wirkstoff. Immer größere Mengen des Pestizids sind nötig und erhöhen damit auch die Gefahr, dass die Nutzpflanzen Glyphosat über die Wurzeln aufnehmen und es so in den Nahrungskreislauf gelangt.

Monsanto hat seine Genpflanzen auf RoundUp eingestellt und ist damit natürlich abhängig von einer Zulassung des Pestitzids. Deshalb wurden den Zulassungsbehörden großzügig Studien zur Ungefährlichkeit  von Glyphosat für den Menschen zur Verfügung gestellt. Anhand dieser Unterlagen läßt das BfR (Bundesamt für Risikobewertung) der Wirkstoff zu. Eigene Untersuchungen: keine. Als im Februar 2012 eine Zulassungsverlängerung anstand, haben CDU/CSU- und FDP-Politiker im Ernährungsausschuss einen Antrag der Grünen auf Anwendungseinschränkung als unbegründet zurückgewiesen. Und das, obwohl zahlreiche Studien darauf hinweisen, daß Glyphosat die Gesundheit gefährdet, die Umwelt stark belastet und auch das Grundwasser gefährdet.

Es wurden auch Studien anderer Institute eingereicht, u. a. von der Uni Caen eine Langzeitstudie zum Mais NK603 und Glyphosat (2012). Ergebnis: die Studie wurde als unwissenschaftlich abgetan. Das BfR untersteht dem BMELV und damit der Ministerin Ilse Aigner, die hält Glyphosat aber für sicher und sieht (wie immer) keinen Handlungsbedarf. Damit würde sie sich ja gegen ihre Partei und den Koalitionspartner stellen, die Glyphosat ja durchgewunken hatten. Kadavergehorsam kontra Verbraucherschutz.

Inzwischen gibt es in Gebieten, in denen Glyphosat eingesetzt wurde, Fehlgeburten und Mißbildungen auch bei Kindern. Importierte Futtermittel werden nicht kontrolliert und die Milch, der Käse und das Fleisch der Tiere, die damit gefüttert werden, landen ohne Kennzeichnung auf unseren Tellern. Die 2012 anstehende Neuzulassung wurde auf 2015 verschoben. Dazu muss man wissen, daß Deutschland für die EU federführend ist für den anstehenden Zulassungsprozess. Aber Ilse verschiebt lieber, soll sich doch die nächste Regierung darum kümmern. Und die Chancen stehen gut, dass es wieder dieselbe ist.

Die EU-Kommission will nun den Anbau von Gen-Soja im großen Maßstab genehmigen. Der BUND hat Ilse Aigner aufgefordert, das Verfahren zu stoppen und meint: „Der Anbau der Monsanto-Sojabohnen steht für ein komplett gescheitertes System von Landwirtschaft. Die EU wäre von allen guten Geistern verlassen, wenn sie jene Fehler wiederholen würde, die in Amerika gemacht wurden. Ministerin Aigner muss EU-Verbraucherschutzkommissar John Dalli davon überzeugen, den Zulassungsantrag für Roundup-Ready-Soja sofort zurückzuziehen.“

Die EU paßt lieber, wie schon bei den Reaktorkatastrophen in der Vergangenheit, die Rückstandswerte an

  • 20 mg/kg bei Soja, Sonnenblume, Gerste, Hafer
  • 10 mg/kg bei Roggen, Weizen, Leinsamen, Lupine, Raps, Erbsen
  • 2 mg/kg bei Bohnen
  • 1 mg/kg beim Mais
  • 0,1 mg/kg bei sonst. pflanzlichen Produkten
  • 0,05 mg/kg bei Fleisch, Milch, Eiern (außer bei Niere)

in einem Lebensmittel sind also 20 mg (un)gefährlich, im anderen 0,05 mg? Hält man uns denn für bescheuert? Hier werden wie bei Fukushima und Tschernobyl die Werte an die Gegebenheiten angepaßt, auch dort wurden per „Notverordnung“ die Grenzwerte „harmonisiert“, was dazu führte, daß Lebensmittel, die dort gar nicht mehr verkauft werden durften, in der EU verkehrsfähig waren. Vielleicht sollten wir doch mal unsere Urin- und Kotproben an die Frau Aigner schicken um sie dort analysieren zu lassen. Aber wahrscheinlich wollen wir’s gar nicht wissen.

Monsanto ist ja schon in unseren Gärten, der Konzern will uns die Vielfalt der Gartenfrüchte einschränken und viele düngen ihre Beete mit Glyphosat, die Pestizide sind in jeden Bau- und Gartenmarkt frei verkäuflich. Die EU und Monsanto wollen uns Einheitsobst und -gemüse mit genormten Größen und Eigenschaften aufzwingen und andere Sorten, die weniger Ertrag bringen, verbieten und vom Markt verschwinden lassen. 30% unserer Ernten verschwinden auf der Müllhalde und die Äpfel, Tomaten und Gurken im Supermarkt sehen alle gleich „genormt“ aus und schmecken nach gar nichts. Aber die Tomate bleibt jetzt sechs Wochen „frisch“. Ist doch toll!

Frau Aigner meint dazu, dass für die Verschwendung Rabatte für Großpackungen schuld seien. Welche Rabatte denn? Die Verbraucherzentrale hat dazu festgestellt, das wir auch da betrogen werden. XXL-Packung zum XXL-Preis. Aber die Bäcker, die altes Brot an die Tafeln verschenken, müssen dafür Steuern zahlen. Das-kann-doch-alles-gar-nicht-wahr-sein! Was müssen wir tun, damit Brabbel-Ilse endlich dort verschwindet, wo sie hingehört: in der Versenkung? Auf zum RoundUp!
von Peter Wassmann

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