Merkels Schwarzer Kanal 2.0

Mutti ließ es durch die Vize-Sprechblase verkünden: ab 19. April startet der „Bürgerdialog“ mit sechs (vorher) ausgesuchten, linientreuen Genossen auf Google+ HANGOUT. Palavert werden darf über Integration, es gibt ja keine wichtigeren Themen! Aber Mutti ist ja im Urlaub, seit auf dem letzten Koalitionstreffen mit den gelben Brüderlein und Schwesterlein sämtliche Entscheidungen bis nach der Wahl vertagt wurden.

Wahrscheinlich sind nach alter Genossen Sitte auch die Fragen vörher sorgfältig ausgewählt. Die Veranstaltung ist bereits der 5. Regierungskanal, das Volk wird mit Propaganda vollgemüllt und Mutti starrt dazu mit Schildkrötenblick in die Kamera. Damit alles klappt, wurde alles vorher auf studiVz geprobt. Die Volkskammer teil mit: folgende alternativlose Entscheidungen…

Jetzt knöpft sich mal die Medienaufsicht Angelas schwarzen Kanal vor, schließlich ist seit 1961 Regierungsfernsehen vom Bundesverfassungsgericht verboten. Aber jetzt gibt es ja Internet, Google, Facebook, www-Bundesregierung, www-Bundeskanzlerin, CDU.tv auf Youtube und www-dialog-über-deutschland TV im Internet, alles unter freundlicher Mitwirkung von Genossin Angela und selbstverständlich ohne kritische Journalistenfragen. So lassen sich Umfragewerte von 68% leicht erreichen.

Die Medienaufsicht prüft nun, ob Frau Merkel eine Rundfunklizenz für solche „Sendungen“ benötigt. Viel interessanten ist es doch, einmal auszuloten, was das BVG dazu meint, denn die Bundeskanzlerin scheint von unserer Verfassung ja nicht viel zu halten. Und wer hat eigentlich die Rechte am aufgenommenen Material? Wurde das ordnungsgemäß vertraglich geregelt und bezahlt bzw. verwendetes Material der GEMA gemeldet?

Tja, gelernt ist eben gelernt. Propagandafernsehen im West-TV war doch der Wunschtraum aller DDR-Politiker, die hätten den rechten Arm dafür gegeben. Jedenfalls erreichen die Merkel-Shows inzwischen leicht die Verbreitung des öffentlich/rechtlichen Bedürfnisfernsehens, nur müsste sie sich da eben ekligen Journalistenfragen stellen. Das mag Frau Merkel nicht, da ist sie genau wie ihr großes Vorbild Helmut „Kasse“ Kohl. Schamlose Selbstdarstellung am Rande des legalen, aber nicht genügend Zeit, um den Bundestag über Milliardenausgaben für den Rettungsschirm informieren. Für sie eine durchaus angemessene Schwerpunktsetzung.

Wie lange darf man hierzulande eigentlich noch ungestraft Lügen und Halbwahrheiten verbreiten, ganz im Sinne von „Sudel-Ede“, bis man die rote Karte gezeigt bekommt? Wir brauchen hier in der „BRD“ keine aktuelle Kamera, uns reicht schon die öffentlich – rechtliche Bedürfnisanstalt mit gekürzten kritischen Magazinen aber 24-Stunden-Reality-Talk-Koch-Spiel-Shows, gequirlt, nicht geschüttelt. Manchmal wünsche ich mir das gute, alte Testbild zurück – die Älteren kennen es noch – dann war wenigstens Ruhe. Himmlische Ruhe. Stille!
von Peter Wassmann

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