Verstrahlte Lebensmittel aus Japan

März 2011  die EU erlaubt die Einfuhr belasteter Lebensmittel aus Japan, die einen Grenzwert von bis zu 2.000Bq/kg nicht überschreiten. Diese Lebens- und Futtermittel mussten dabei nicht die üblichen Grenzwerte einhalten, sondern nur noch die Höchstwerte, die für den nuklearen Notstand festgelegt wurden.

Es ist schwer zu verstehen, warum die EU ohne Not die ohnehin nicht strengen Grenzwerte erhöhte. Unabhängige Experten empfehlen seit Langem strengere Grenzwerte: 30 bis 50 Bq/kg bei Nahrung für Erwachsene und 10 bis 20 Bq/kg für Kinder, Stillende und Schwangere. Babynahrung sollte 5 Bq/kg nicht überschreiten.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner sah angesichts der Atomkatastrophe in Japan keinen Grund für ein Importverbot für Lebens- und Futtermittel aus Japan.

 April 2012  Erst ein Jahr nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima wurden die Grenzwerte bei importierten Lebensmitteln aus Japan gesenkt, nachdem Japan selbst die Werte bereits angepasst hatte. Am 1. April 2012 wurden die Werte für japanische Milch und Babynahrung von 200Bq/kg auf 50Bq/kg und für alle anderen Lebensmittel von 500Bq/kg auf 100Bq/kg gesenkt. Bis auf Soja und Reis, die auf 500Bq/kg belassen wurden bis zur nächsten Ernte.

Bei Futtermitteln galten bis dahin 500Bq/kg bzw. 2000Bq/kg, die jetzt aber auf 40-160Bq/kg angepasst wurden. Damit genossen die japanischen Tiere einen besseren Schutz als Verbraucher in Europa. Die sogenannten Tschernobyl-Grenzwerte lagen bei Säuglingsnahrung bei 370Bq/kg und 600Bq/kg bei allen anderen Nahrungsmitteln.

Es ist empörend! Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner tönte seit Tagen über „verstärkte Kontrollmaßnahmen“ und „spezielle Schutzstandards“ – sie informiert die Öffentlichkeit aber nicht darüber, dass die EU die Katastrophengrenzwerte für Lebensmittel in Kraft gesetzt hat.

Oktober 2012 in der EU gelten für Importe aus Drittstaaten immer noch 370-600Bq/kg und für Einfuhren aus Japan 50-100Bq/kg. Die Höchstgrenzen basieren auf einer Reihe unterschiedlicher Gesetzgebungen, und im Falle einer Atom-Katastrophe sind abweichende Werte vorbereitet, die per Eilverordnung in Kraft gesetzt werden können. Da sind dann Belastungen bis zu 2.000Bq/kg zugelassen.

Die aktuellen Strahlen-Grenzwerte für radioaktiv belastete Lebensmittel in der EU und Japan sind so hoch angesetzt, dass sie eine große Zahl von Erkrankungen und Todesfällen tolerieren. Sie gelten erst mal bis 2020. In anderen Ländern bestehen zum Teil wesentlich strengere Grenzwerte, so auch in den von Tschernobyl betroffenen Staaten Weißrussland und Ukraine. Die Folge dieser Politik: Lebensmittel, die dort nicht gehandelt werden dürfen, können ganz legal von EU-Staaten importiert und innerhalb Europas verkauft werden. Und das 18 Jahre nach Tschernobyl, aber da haben manche auch Pilze aus Bayern gegessen, die mit fast 5.000Bq/kg strahlungsbelastet waren.

Alle machen sich Sorgen über Feinstaub in der Luft und Gift in Kinderspielzeug, Antibiotika im Fleisch und Dioxin in Hühnereiern. Dabei übersehen wir dann leider, dass unser Essen nebenbei auch noch verstrahlt ist; beziehungsweise die Politiker und Behörden uns im unklaren darüber lassen, dass auch die geltenden Grenzwerte unsere Gesundheit nicht verlässlich schützen und je nach „Not“lage per „Eilverordnung“ angepasst werden können. Das nennt man dann „Harmonisierung“, ich nenne so was Verbrauchertäuschung, Frau Aigner, auch wenn ihr Sprecher bereits am 1.April.2011 verkündete:

Der vorbeugende Verbraucherschutz muss Priorität haben. Deshalb ist bei einer Vereinheitlichung aus Gründen des vorsorgenden Gesundheitsschutzes grundsätzlich immer der jeweils niedrigste, also sicherste Grenzwert anzuwenden.“

Ein Aprilscherz, oder?
von Peter Wassmann

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