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Geschlossene Fonds: wieder ganze Vermögen verzockt

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Geschlossene Fonds geraten immer wieder in die Schlagzeilen, denn es lauern etliche Tücken bei dieser Form der Geldanlage. Auf keinen Fall eignen sie sich für private Anleger, meint auch die Verbraucherzentrale, sondern nur für Besitzer großer Vermögen. Auch auf Ratings durch diverse Agenturen ist kein Verlass, wie die Vergangenheit ja vielfach bewiesen hat. Regelmäßig wurden (zu?) gute Noten für Pleitefonds vergeben.

Der Graue Markt ist für unerfahrene Anleger eminent gefährlich, wie der neueste Betrugsfall bei der S&K-Gruppe (Frankfurt) und die Pleite der DCM AG (München) sowie der Fall Wölbern (Hamburg) zeigt. Wieder wurden viele Anleger um ihr Vermögen gebracht, denn von dem angelegten Geld dürfte nicht mehr viel übrig sein.

Bei S&K wurden unter anderem Lebensversicherungen gegen Investments in verschiedene Fonds-Modelle getauscht, mit versprochenen Renditen von 7%. Nur dass man gar nicht daran dachte, das Geld irgendwo anzulegen, sondern lediglich den eigenen aufwendigen Lebensstil zu finanzieren.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelte gegen Verantwortliche der S&K wegen des Verdachts auf Untreue und Betrug, rückte mit 1200 Fahndern aus und durchsuchte 130 Standorte. Dabei stellten die Ermittler unter anderem ein Dutzend Luxussportwagen, säckeweise Bargeld, Computer und Aktenmaterial sicher. Sechs Hauptverdächtige wurden festgenommen, darunter die S&K-Chefs Stephan S. und Jonas K.. Insgesamt wird laut Justiz gegen etwa 50 Beschuldigte ermittelt. Man vermutet hinter dem Geschäftsgebaren ein sogenanntes Schneeballsystem. Dabei werden die Gelder der Anleger gar nicht erst investiert, sondern neue Einzahlungen genutzt, um die Ausschüttungen an alte Gläubiger zu bezahlen.

Laut Bild haben am Montag Beamte der Kripo mit Kettensägen und Schaufeln das Grundstück von Jonas K. durchsucht, der nach Zeugenaussagen dort mehrfach beim buddeln gesehen wurde. Allerdings haben sie bisher nichts gefunden.

Mit der Asset Trust AG und der Deutsche Sachwert Emissionshaus AG, die sich beide in Regensburg im vorläufigen Insolvenzverfahren befinden, erhöht sich die Zahl der Firmen, die im Zusammenhang mit dem Fall S&K in die Pleite rutschen, auf mindestens 15. Die Gesellschaft Sachwert & Partner S+P Management AG als Teil der S&K-Gruppe fungiert nach eigener Darstellung als Servicegesellschaft für die Asset Trust AG sowie die Deutsche Sachwert Emissionshaus AG.

Zuvor hatten schon acht Gesellschaften der United Investors Gruppe Insolvenz angemeldet. Im Einzelnen sind das

  • die United Investors Holding GmbH
  • die United Investors Emissionshaus GmbH
  • die United Investors Treuhand GmbH
  • die United Investors Vertriebsgesellschaft mbH
  • die Verwaltung United Investors Vertriebsgesellschaft mbH
  • die United Investors Fondsvertriebsgesellschaft mbH
  • die United Investors Real Estate GmbH
  • sowie die United Investors Management GmbH.

 

Hinzu kommen drei Gesellschaften der Münchener SHB-Gruppe, nämlich

  • die FIHM Fonds und Immobilien Holding München AG
    die SHB Innovative Fondskonzepte AG
    sowie die SHB Innovative Fondskonzepte GmbH.

In einem weiteren Fall hat die Staatsanwaltschaft Hamburg gegen den Chef des Fondsemissionshauses Wölbern Invest, Heinrich Maria Schulte, Ermittlungen eingeleitet. Der Verdacht lautet auf Untreue. Hintergrund sind Vorwürfe von Anlegern, das Fondshaus habe Geld aus Immobilienfonds zweckentfremdet.

Den nächsten, den es in diesem Markt erwischt hat, ist die DCM AG in München. Sie zählte einst zu den führenden Emittenten für geschlossene Immobilienfonds in Deutschland. Seit einiger Zeit jedoch häufen sich die schlechten Nachrichten. Nun ist offenbar der vorläufige Tiefpunkt erreicht: Das Unternehmen ist insolvent. Hier haben Anleger mehr als 2 Mrd € angelegt. Auch bei DCM sorgten seit einigen Wochen negative Schlagzeilen über Unregelmäßigkeiten sowie das merkwürdige Verschwinden des Vorstandchefs Pawel Miller für Unruhe.

Zu viel vagabundierendes Geld in den Händen von Spekulanten sucht anscheinend jede Gelegenheit zur schnellen Geldvermehrung, egal wie hoch das Risiko ist. Nicht, dass ich irgendwelches Bedauern für diese Anleger aufbringen kann, denn ohne sie würden solche Modelle überhaupt nicht funktionieren. Warnen möchte ich jedoch die kleinen Anleger vor solchen Anlageformen. Sie eignen sich nicht zur Altersvorsorge und auch nicht zur sicheren Geldanlage. Als Faustregel gilt:

Heute gibt es bei seriösen Anlagen keine Renditen von 7% mehr, also Hände weg!

Und an die Adresse der ganzen Geschäftemacher, die sich jetzt wieder um die Anwälte scharen: schmeißt ruhig gutes Geld dem schlechten hinterher, laßt euch weiter von der Gier das Hirn vernebeln. Vielleicht stürzen sich wieder ein paar aus dem Fenster wie damals in New York, nachdem sie die Welt an den Rand der Katastrophe gebracht hatten. Das ist diesmal, Gott Sei Dank wenigstens nicht zu befürchten.

Von Peter Wassmann

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