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Zypern: Chronologie der Krise oder: das Geld ist längst weg

Viele wußten schon vorher, daß Zypern am Abgrund steht. Großinvestoren hatten ihr Geld längst in Sicherheit gebracht, als die Krise akut wurde, das zeigen deutlich die Börsendaten aus dieser Zeit.

Und wer dann noch Kapital auf der Bank vergessen hatte, dem haben zypriotische Banken dabei geholfen, den Rest nach London und Moskau zu schaffen. Wozu hat man Freunde.

Mehrere Milliarden Euro wurden so unter der tatkräftigen Mithilfe der Politik, der Banken und einiger Beteiligter dem Zugriff des Staates entzogen. Verhandlungen wurden so lange verschleppt, bis auch wirklich jeder begriff, das ist jetzt wirklich die allerletzte Gelegenheit.

Anhand des zeitliche Ablaufs wird das sehr deutlich

Februar 2011

EU

Zweifel an der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Zyperns werden laut
enge Verbindungen zyprischer Banken zu Griechenland, Krise könnte sich ausweiten

2012

Zypern/Russland

das Volumen der Anlagegeschäfte zwischen Russland und Zypern:
über 90 Mrd. Euro
etwa ein Viertel der ausländischen Direktinvestitionen Russlands fließt durch Zypern –   in vielen Fällen Geldwäsche

25.06.12

Rating-Agenturen
EU Rettungsschirm

Zypern, dessen zehnjährige Anleihen unterdessen von allen drei großen Rating-Agenturen als junk („Ramsch“) eingestuft wurden, stellte als fünftes Land der Eurozone einen Antrag auf Hilfen aus den Euro-Krisenfonds

02.08.12

Banken

Traumrenditen für Banken
bei zyprischen Staatsanleihen steigen von knapp über vier Prozent auf etwa 11,5 Prozent

01.02.13

Zypern-Krisedie Ratten verlassen das sinkende Schiff

Manche wussten schon im Februar, dass Zypern kollabiert
Im Februar sind die Einlagen auf griechischen Konten ungewöhnlich stark um 3 Milliarden Euro gestiegen, berichtet Kathimerini. Die gesamten Einlagen auf griechischen Bankkonten liegen nun bei 164 Milliarden Euro. – 
Interessanterweise kamen circa 500 Millionen Euro von zypriotischen Banken. Die Vermutung liegt nahe, dass manche Inhaber zypriotischer Konten bereits im Februar von der kommenden Zypernkrise wussten und ihr Geld von Zypern nach Griechenland abzogen. –In der Woche vor dem Ausbruch der Zypernkrise sollen fast 4,5 Milliarden Euro das Land verlassen haben. Denn inzwischen hatten sich die Bailout-Pläne für Zypern offenbar in Regierungs-Kreisen herumgesprochen.Auch viele reiche Russen und russische Unternehmen wurden offenbar rechtzeitig gewarnt. –   Die Bank of Cyprus hatte sogar eine russische Filiale, die während der EU-Banken-Blockade weiter operierte

15.03.13

Brüssel

Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem
Bankkunden sollen mit 9,9% zum Schuldenabbau beitragen, das soll geschätzte 5,8 Milliarden Euro einbringen –
Der aufgeblähte Bankensektor soll bis 2018 auf Normalmaß schrumpfen

16.03.13

Brüssel

Finanzminister der Eurozone einigten sich schließlich mit den zyprischen Verhandlungsführern im Beisein des IWF auf ein Rettungspaket im Umfang von 10 Mrd. Euro – Stabilitätsabgabe auf Einlagen bis 100.000 Euro im Umfang von 6,75 Prozent, darüber im Umfang von 9,9 Prozent

18.03.13

Wien/Frankfurt

Wiener Börse verliert, der Leithandelsindex ATX stürzte am Montag 1% ab. Auch Frankfurt schwach.

19.03.13

Zypern

Zyperns Parlament lehnt die umstrittene Zwangsabgabe für Bank-Kunden ab. Damit ist die Voraussetzung für das milliardenschwere EU-Rettungspaket nicht erfüllt. Das Euro-Land steuert jetzt auf eine Staatspleite zu. Ablehnung in der Nacht auf Dienstag mit 36 Gegenstimmen bei 19 Enthaltungen, Ja-Simmen: keine – Banken bis einschließlich Donnerstag (21. März) geschlossen; das Datum wurde später zunächst auf Dienstag (26. März), dann auf Donnerstag (28. März) hinaufgesetzt
USA Wall Street vorsichtig
Nach einem guten Start konnten die US-Indizes ihr anfängliches Plus nicht halten. Viele Anleger nahmen Gewinne aus der langen Rally der Vorwochen mit. Vor allem Energietitel zog es ins Minus.

20.03.13

globale Investoren

Pimco stößt Euro ab
Zypern spielt für den Fortbestand der Euro-Zone eine entscheidende Rolle, meint Saumil Parikh von Pimco. Der weltgrößte Anleihehändler hat angekündigt, sein Investment in den Euro kurzfristig zu reduzieren.
Zypern Auf Zypern schließen die Banken

22.03.13

Moskau

Russland hat kein Interesse
Die Verhandlungen zwischen Russland und Zypern über neue Finanzhilfen sind gescheitert. Experten gehen davon aus, dass Russland auf eine Verschärfung der Krise hofft, um am Ende doch noch billiger an Vermögenswerte des Inselstaates zu kommen.
Nikosia Eine Lösung für Zypern ist in Sicht
Zypern steht im Ringen um eine Rettung kurz vor einer Einigung. Die Chancen, dass sich das Parlament auf geeignete Maßnahmen verständigt, seien gegeben. Sie stünden im Einklang mit dem Rettungspaket, dass die Regierung mit Zyperns Euro-Partnern ausgehandelt habe, heißt es aus Parteikreisen.

23.03.13

Berlin

Merkel warnt die Zyprer
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Zyprer gewarnt, die Geduld der Geldgeber überzustrapazieren. „Ich wünsche mir das nicht, dass es zu einem Crash kommt“, sagte sie Teilnehmern zufolge vor Koalitionsabgeordneten.
Moskau Verhandlungen mit Russland ohne Ergebnisse
Zyperns Hilferufe nach Moskau verhallten zunächst ungehört. „Die Verhandlungen sind beendet“, sagte Finanzminister Anton Siluanow. Die zyprische Regierung versuchte vergeblich, russische Investoren mit Beteiligungen an Gasvorkommen oder Banken zu Krediten zu bewegen. Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew erklärte, die Türen seien noch nicht endgültig zu.

24.03.13

Brüssel

Schwierige Verhandlungen in Brüssel
Das Treffen und der Ablauf eines Ultimatums der Europäischen Zentralbank am Montag gelten als entscheidend, um eine Staatspleite in Zypern in letzter Minute abzuwenden.
Nikosia Zypern läuft die Zeit davon, doch die Regierung in Nikosia geht die Dinge trotz des drohenden Staatsbankrotts mit scheinbar stoischer Ruhe an. Die Regierung meldet erste Fortschritte, eine Zwangsabgabe ab 100.000 Euro wurde mit der Troika beschlossen.
Frankfurt EZB plant Bargeld Limitierung für Bürger
den Bürgern Zyperns steht offenbar ein verordnetes Limit zum eigenen Guthaben bevor.

25.03.13

EU

EU-Finanzminister billigen Rettungsplan
Zypern erhält ein 10-Milliarden-Euro-Hilfspaket. Nach langen Verhandlungen konnte die Kriseninsel die Bedingungen der Euro-Länder erfüllen. Einlagen unter 100.000 Euro bleiben unangetastet – im Gegensatz zur Laiki-Bank.

27.03.13

Zypern/London

London hilft gern
„Reiche Ausländer“ sollen Konten über London geplündert habenvor allem Russen und Briten, also jene Ausländer mit den höchsten Kontoguthaben bei der Bank of Cyprus oder der Laiki-Bank, über den Finanzplatz London in den vergangenen Tagen ihre Konten komplett geräumt haben. Die Filialen der beiden zyprischen Großbanken waren tatsächlich die gesamte Zeit über, in der auf Zypern die Geldhäuser geschlossen waren, geöffnet. Ferner gab es für Geldtransaktionen keine Limite.
London/Moskau Kriminelle Energie
Der Geschäftsführer der Zentralbank Zyperns, Panikos Dimitriadis, hat während der Krise den Filialen der Bank Zyperns und der Zypriotischen Volksbank in London erlaubt, ihre Arbeit fortzusetzen, so dass es möglich geworden war, größere Beträge von den Konten bei den zypriotischen Banken in der britischen Hauptstadt und über eine russische Bank in Moskau abzuheben.
Zyperns Banken
Kontosperrung dauert
Finanzminister Michael Sarris begründete die längere Sperrung mit der Sorge vor Geldabflüssen. Auch habe die Regierung Zeit gebraucht, um Kontrollen zu installieren. Ursprünglich sollten die Banken am Dienstag wieder öffnen – nach zehntägiger Schließung.

28.03.13

Berlin/Nikosia

Zypern erhielt 5 Milliarden Euro Bargeld aus Deutschland Aus Angst vor einem Bank-Run wurden die zypriotischen Institute mit reichlich Bargeld aus EZB-Beständen versorgt. Die Zyprioten müssen den Gürtel nun enger Schnallen. Der Präsident fängt bei sich selber an. Bargeldabhebung und Zahlungsverkehr wird limitiert                      *** Banken öffnen wieder
Bar bis zu 300 Euro, Zahlungen von bis zu 5000 Euro ohne Einschränkungen möglich. Für Überweisungen zwischen 5001 und 200.000 Euro ist die Zustimmung der Zentralbank notwendig
Nikosia Dem zyprischen Parlament liegen Informationen vor, dass vor dem Beschluss des ersten Rettungspakets am 16.3. viel Geld von zyprischen Konten ins Ausland abfloss, obwohl das gesamte Geld eingefroren sein sollte.
Laiki-Bank Laiki-Bank wird zerschlagen
Auch in Russland und der Ukraine warLaiki – wenig überraschend – vertreten. Zu den zehn Ländern mit Laiki-Niederlassungen gehören auch Malta und die Kanalinsel Guernsey, zwei europäische Steuerparadiese. 2011 eröffnete sie gar ein Büro in China. – Im selben Jahr bestand die Bank den Stresstest der EU-Aufsichtsbehörde EBA – jetzt werden tausende Arbeitnehmer entlassen
Verluste werden in Bad Bank ausgelagert
02.04.13 Zyprische Justiz prüft Kapitalflucht bei 136 Firmen, die 700 Mio. € ins Ausland geschafft haben sollen, auch Präsidentenclique in Verdacht. Zypern will jetzt mit Spielcasino-Lizenzen Geld machen.

von Peter Wassmann

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