DIGITAL CAMERA

Reumütige Rückkehrer?

Viele Firmen, die ihre Produktion in EU-Billiglöhnländer oder nach China verlagert haben, kehren wieder zurück. Gründe sind mangelnde Qualität, 20prozentige Lohnsteigerungen und viel zu lange Transportwege. Leerstehende Büroflächen und Gewerbegebiete in Deutschland ziehen mit günstigen Mieten und bestens ausgebauter Infrastruktur wieder Firmen an.

Für uns wird’s wieder mal teuer. Viele Gewerbeflächen locken mit günstigen Kondidionen, der Staat mit Fördermitteln; wenn die Firmen Arbeitslose wiedereinstellen zum Beispiel. Auch günstige Gewerbesteuern und eine gut ausgebaute Infrastruktur helfen sparen. Der Steuerzahler fördert also wieder einmal mit Millionen Steuergeldern die Wiederansiedlung der Flüchtlinge, die diese Geschenke gerne annehmen.

Auch die EU hat einen Globalisierungsfond aufgelegt, der sich mit diesem Thema beschäftigt. Gut ausgebildete Arbeitskräfte gibt es auch genung, die inzwischen bereit sind, für wenig Lohn zu arbeiten. Das Nest ist also bestens bereitet, das Ergebnis sind 8.000 neue Stellen gegenüber 50.000, die seit Anfang der 90er Jahre ins Ausland verlagert wurden.

Die Vorstellung der Unternehmer, im Ausland billig zu produzieren und hier teuer zu verkaufen, ließ sich so wohl nicht umsetzen. Meine Meinung ist, wer hier Arbeitsplätze abbaut, um in China zu produzieren, soll gefälligst seine Produkte auch dort verkaufen. Ich bin keineswegs gegen die Globalisierung – chinesische Firmen, die hier billig verkaufen, oder deutsche Firmen, die ihre Produkte in alle Welt exportieren, das gehört zum weltweiten Handel dazu.

Jedoch müssen die Bedingungen für die Mitarbeiter stimmen, hier wie dort. Staatliche Stellen sind, das hat die Vergangenheit gezeigt, schnell überfordert oder nehmen falsche politische Rücksichten. Siehe China. Siehe Merkel. Siehe Regierung. Augen zu und durch? Nein. Ich habe mal gegoogelt, um einige der Firmen aufzuspüren, die jetzt nur zu gerne wieder nach Deutschland zurückeilen. Das war nicht ganz einfach, denn niemand will hier großes Aufsehen – die Informationen sind recht dünn gesät:

  •  Block Transformatoren-Elektronik,
  • Stiebel Eltron,
  • Fischer (Denzlingen),
  • Simba-Dickie,
  • Stihl,
  • Solarworld,
  • Wolf (Mainburg),
  • Steiff,

Wolfgang Reichelt, Eigentümer des erfolgreichen niedersächsischen Mittelständlers Block Transformatoren-Elektronik, steht einem Unternehmen vor, das eine typische Entwicklung hinter sich hat. Vor über zehn Jahren hatte Reichelt große Teile der Fertigung nach China verlagert. Inzwischen hat er alle Fertigungskapazitäten aus China zurückgeholt, 700 Mitarbeiter arbeiten für Block.

Stiebel Eltron, international agierender Hersteller von Warmwasser- und Heizgeräten, hat vor wenigen Wochen die Kunstsofftechnik-Fertigung einer aufgekauften slowakischen Firma nach Eschwege verlagert.

Der Stofftier-Hersteller Steiff musste lernen, dass Billigproduktion in China und Hochpreis-Strategie in Deutschland nicht zusammenpassen. Nach vier Jahren holte Steiff die China-Produktion nach Deutschland zurück. Selbst die Fertigung schlichter Produkte ist in China nicht mehr zwingend günstiger.

Der Haushaltswarenhersteller Fackelmann lässt dort nicht einmal mehr seine Kochlöffel produzieren – Lohnsprünge von 20 Prozent pro Jahr waren den Franken zuviel.

Das sind nur einige der Rückkehrer. Viele Unternehmen sprechen nicht gerne über Rückverlagerungen. Der abgebrochene Ausflug nach Asien gilt bei einigen offenbar als unternehmerische Niederlage, die man nur ungern eingesteht.

Im Gegenzug eröffnen bereits chinesiche  Firmen, z. B. Sany (Betonpumpen), Standorte in Deutschland. Das ist ok – solange dort hauptsächlich deutsche Arbeitnehmer beschäftigt werden. Man setzt auf „Made in Germany“, ein Qualitätsbegriff, der einstmals von den Briten erfunden wurde, um deutsche Produkte zu „brandmarken“.

Es ist zu ahnen, daß die zurückgekehrten Unternehmen vom Staat und den Kommunen reichlich Privilegien, Steuernachlässe und Investitionsförderung bekommen werden. Der Wirtschaftsstandort Deutschland war uns ist nämlich nicht so schlecht, wie es uns die Politiker und die Konzernchefs immer einreden wollten. Aber nur so konnte man uns offensichtlich davon überzeugen, daß wir über unsere Verhältnisse gelebt haben und nun einen guten Teil von unserem Wohlstand opfern müßten. Und bei Gott, das haben wir.
von Peter Wassmann

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *