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Handwerk: Unser klägliches Brot …

brezTraditionelles Bäckerhandwerk ist tot. Es ist so exotisch wie Bio vor 20 Jahren, als die Biobauern von ihren Kollegen verlacht wurden. Was heute so als „Bäckerei“ firmiert, ist meist nur eine Verkaufsstelle für eine Brotfabik oder eine Aufbackstation für Tiefgefrorenes. Selbst Bäcker greifen inzwischen auf Backmischungen zurück, weshalb die Erzeugnisse genauso schmecken wie aus dem Supermarkt, aber dreimal so teuer sind.

Warum ich darüber schreibe? Eigentlich bin ich ein Fan von gutem Brot, Kuchen und anderen süßen Leckereien, am besten frisch aus dem Ofen! Sensibilisiert hat mich für das Thema, daß meine damalige Freundin, eine Allergikerin und von Heuschnupfen geplagte Frau, allmählich dazu überging, vieles selbst anzufertigen. Salben, Shampoos, Seifen – dank Hobbythek (Pütz sei Dank!) gar keine Affäre. Die Hobbythek-Bücher habe ich alle gesammelt, und da entdeckte ich schließlich auch das Brot- und Backbuch.

Also haben wir damals angefangen, unser Brot, auch Semmeln, Brezeln und andere Köstlichkeiten selbst zu backen. Viel Hingabe steckte darin, aber die Ergebnisse schmeckten dermaßen gut! Bei einem kleinen Fest in unserer Straße, jeder hat was beigesteuert, hatten wir Brötchen gebacken – mit Mohn und Sesam obendrauf. Wir mußten kurze Zeit später nochmals kurz ins Haus, und als wir zurükkamen, war der Korb LEER! Nun ja, warum erzähle ich das?

Ich bin inzwischen wieder Single, und wie es so ist, siegt die Faulheit. Für mich allein Backen? Nee! Also wieder zum Bäcker und selbst-gekauft. Bäcker? WOOO? In meiner kleinen Stadt gibt es 3 Bäckereien. Steht außen dran. Statt Backstube hält aber regelmäßig ein Lieferwagen mit Stapeln von Brotkörben. Genauso wie im Supermarkt. In der Nachbargemeinde gibt es dann noch einen Backshop mit großem Auf-back-ofen. Geschmack? Alles schmeckt gleich öde, aufgeblasenes Zeug aus Backmischung, mit haufenweise Zusatzstoffen versetzt.

Die letzte traditionelle Backerei hat vor 3 Jahren dichtgemacht, aus Altersgründen. Offenbar wollte sich keiner mehr die Arbeit machen, den Teig richtig zu „führen“ und zu „füttern“, ihm Zeit geben zu reifen und aufzugehen. Das erledigen heute moderne Backmischungen mit Zusätzen für Konservierung, Farbe, Verkürzung der Reife- und Backzeit, selbst für den typischen Backstuben-Geruch ist gesorgt. Reine Chemie, im Brot! Ich hielt das immer für ein Naturprodukt, bis ich mal eines frühen Morgens an einer Filialbäckerei vorbei zur Arbeit marschierte, und eine Palette bemerkte, die ein Lkw gerade abgeladen hatte, mit Plastikkanistern voller „Flüssigkeiten“, deren Namen sich niemand merken kann. Für eine Bäckerei! Herrgottimhimmelnochmal.

Langer Rede kurzer Sinn: Ich suche heute noch eine Bäckerei, wo der Bäcker noch hinten in der Backstube hantiert, und traditionell und ohne Backmischung Brot erzeugt. Er muß auch nicht bis 5 Minuten vor Schluß volle Regale haben, nicht 1.000 Brotsorten vorhalten, sondern das, was er macht, mit Liebe zum Handwerk herstellen. Eine BÄCKEREI eben. Keine Imbiß-Stehcafe-Pizza-Baguette-ToGo-Backwahn-Scheiße mit völlig überzogenen Preisen. KENNT JEMAND EINE BÄCKEREI? Oder jemanden, der jemand kennt, der … Scheiße.

Ich mußte mir das einfach mal von der Seele schreiben. Habt ihr auch ähnliche Erfahrungen gemacht? Dann schreibt mir doch einen kleinen Kommentar.
Von Peter Wassmann

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